Mit dem 01.01.2021 wird die GKV gesetzlich verpflichtet, einen Meilenstein in der digitalen Versorgung zu setzen – die Einführung der elektronischen Patientenakte (ePA) und die Anbindung an die Telematikinfrastruktur (TI). Da diese Einführung voraussichtlich eine hohe mediale Aufmerksamkeit mit sich bringen wird, erhöht sich so auch der Druck auf die PKV. In einem festgelegten Zeitplan des Service-Ausbaus wird sich zukünftig für Kunden bei jedem Arztbesuch, in der Apotheke oder anderen Versorgungsprozessen zeigen, ob und inwieweit der eigene Versicherer Teil der digitalen Versorgung ist. Bedingt durch diese revolutionäre Veränderung werden sich Kunden ab Anfang 2021 mit dem Thema ePA beschäftigten und die Möglichkeiten bei der eigenen Versicherung prüfen. Die sich verändernde Kundenwahrnehmung in Bezug auf digitale Versorgungsservices hat dabei nicht nur das Potenzial für einen Wettbewerbsvorteil zwischen GKVen und PKVen untereinander, sondern darüber hinaus auch einen systemübergreifenden Einfluss auf den Wettbewerb um die aktuell sechs Millionen freiwillig gesetzlich Versicherten.

Die Grafik gibt eine Übersicht über die Roadmap zur Einführung der elektronischen Patientenakte sowie der Telematikinfrastruktur.

Elektronische Patientenakte und Telematikinfrastruktur sind mehr als nur technische Infrastruktur

Auf dem Weg zur digitalen Versorgung wird bereits seit einigen Jahren an einer umfassenden Infrastruktur gearbeitet. Diese finalisiert sich aktuell durch Zusammenarbeitsprozesse zwischen GKV, Leistungserbringern und Anbietern für digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA). Während diese Zusammenarbeit sowie die Infrastruktur im Gesundheitswesen durch die gematik GmbH aufgebaut wird, ist der Kundenzugang zur ePA und TI durch den Versicherer bereitzustellen. Für Front-End- und Back-End-Anbindung hat die Gesetzgebung als Auflage für diesen Zugang jedoch eine Zertifizierung durch die gematik vorgesehen. Nur so kann ein sicherheitskonformer Zugriff auf die Telematikinfrastruktur sowie die elektronische Patientenakte gewährleistet werden. Während die GKVen aus ihrer gesetzlichen Verpflichtung heraus bei der Anbindung bereits weit fortgeschritten sind, steckt die PKV als Branche noch in den Startlöchern und hatte bis heute wenig Anteil am Aufbau von TI- und ePA-relevanten Themen. Dies hatte unter anderem zur Folge, dass die ePA und TI in den vergangenen Jahren mit hohem Fokus auf die GKV ausgerichtet wurde, PKV-Besonderheiten (wie etwa die Abrechnung nach GOÄ/GOZ) blieben außen vor. Des Weiteren ist die PKV bisher auch kein Bestandteil der umliegenden Themen, wie etwa der Preisverhandlung oder Prozessbildung für digitale Gesundheitsanwendung (DiGA) gemäß des digitalen Versorgungsgesetzes (DVG). Zu Beginn dieses Jahres ist der PKV-Verband mit ca. 2,5% Beteiligung wieder in den Gesellschafterkreis der gematik eingetreten und ist aktuell darum bemüht, die PKV-Besonderheiten in die ePA beziehungsweise TI zu integrieren.

Die konkreter werdenden und bis in die Arztpraxis reichenden Prozesse zeigen letztlich die Dimension der ePA und TI. Denn es geht um weit mehr als elektronische Krankschreibungen oder die digitale Ablage von Befundberichten in der Cloud. Vielmehr werden Versorgungsprozesse durch eine standardisierte Datenverfügbarkeit grundlegend verändert und neue digitale Diagnose- und Behandlungsverfahren an der Schnittstelle zwischen Arzt und Patient etabliert. Der Komfortvorteil für den Kunden – wie beispielsweise die Möglichkeit Rezepte in digitaler Form zwischen dem Arzt, der Apotheke und teilnehmenden GKVen und PKVen zu bewegen – wirkt dabei fast schon nebensächlich.

PKV-Sprint: elektronische Patientenakte und Telematikinfrastruktur in weniger als sechs Monaten

Während im Umfeld der elektronischen Gesundheitsakte eine abwartende Haltung sicherlich Vorteile hatte, ist es fraglich, ob eine PKV – die mit Premium-Versorgung und Top-Service wirbt – ihren Kunden nicht ebenfalls den Zugang zur ePA und TI bieten sollte, um die eigene Marke positiv aufzuladen. Für Kunden gab es in der Vergangenheit vermutlich wenige Gelegenheiten, bei der eine Leistung beziehungsweise nicht-Leistung so transparent und öffentlichkeitswirksam hätte verfolgt werden können. Um diese Services für die eigenen Kunden verfügbar zu machen, ist von Seiten der PKVen sicherlich ein Sprint notwendig – der aber absolut machbar ist. Während der Verband daran arbeitet, die PKV-Besonderheiten in den neu geschaffenen digitalen Versorgungsmarkt zu integrieren, gilt es für die eigene PKV, die Anbindungsfähigkeit an die TI (inkl. elektronische Gesundheitskarte) herzustellen und ein Service-Alignment zwischen ePA-Services, Touchpoints und den eigenen Services zu erzielen. Die nachfolgende Grafik veranschaulicht das Zusammenspiel zwischen der Telematikinfrastruktur, dem Leistungserbringer sowie der GVK und PKV.

Die Grafik zeigt das Zusammenspiel zwischen der Telematikinfrastruktur, dem Leistungserbringer sowie der GVK und PKV.

Mit drei zentralen Handlungsfeldern dem eigenen Kunden Zugang zur ePA und TI verschaffen

Um den Anschluss an die elektronische Patientenakte sowie die Telematikinfrastruktur vorzunehmen und auch, um den Anschluss an den Wettbewerb nicht zu verpassen, sollten PKVen drei relevante Handlungsfelder durchlaufen:

Wir sind der festen Überzeugung, dass die elektronische Patientenakte und die Telematikinfrastruktur für die PKV eine Chance hinsichtlich der Positionierung als Gesundheitsdienstleister bietet. Durch die richtigen Schritte in den Bereichen Servicelandschaft, Vertriebsstory, Touchpoint-Alignment und ePA-/TI-Anbindungsfähigkeit, kann der Wind der medialen Aufmerksamkeit Ende 2020 genutzt werden, um beim Kunden ein haptisches (PKV-eGK) und digitales Versorgungserlebnis innerhalb der PKV-Marke zu erzielen. Wir als PKV-spezialisiertes Beratungshaus unterstützen Sie gerne bei der Beantwortung der für Sie relevanten Fragestellungen und der erfolgreichen Umsetzung der ePA-/TI-Services für Ihre Kunden. Wir freuen uns auf den Austausch mit Ihnen.

Die sich verändernde Kundenwahrnehmung in Bezug auf digitale Versorgungsservices hat nicht nur das Potenzial für einen Wettbewerbsvorteil zwischen GKVen und PKVen untereinander, sondern nimmt auch systemübergreifend Einfluss auf den Wettbewerb um die aktuell sechs Millionen freiwillig gesetzlich Versicherten.
Sebastian UmlaufSebastian Umlauf, Q-VERTION

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